Ein RÜCkblick auf Das 7. und 8. Jahr von www.tcboyle.de
Acht Jahre gibt es www.tcboyle.de inzwischen. Jedes Jahr haben wir es geschafft, die Ereignisse rund um unsere Website in einem kleinen Rückblick festzuhalten, nur nicht im verflixten siebten. Über T.C. Boyle gab es – den deutschen Sprachraum betreffend – leider auch nicht so viel zu berichten. Sein letzter Deutschlandbesuch liegt schon über zwei Jahre zurück und an deutschsprachigen Neuerscheinungen fand lediglich die Novelle »Das wilde Kind« den Weg in unser Bücherregal.

Mit diesem Rückblick auf das siebte und achte Jahr von tcboyle.de wollen wir wieder ein kleines Lebenszeichen von uns geben. Gänzlich untätig waren wir ja nicht. Wir haben Boyles Europa-Abstinenz genutzt, unseren Bücherblog, den Boylevard, in eines neues System zu überführen, von Serendipity nach wordpress.

Woche für Woche stellen wir hier ein Buch vor, und das nun schon seit mehr als vier Jahren. Mehr als 200 Rezensionen sind so inzwischen zusammengekommen. Lesefutter bis 2012 liegt schon fertig besprochen in der Schublade. Eine großartige Leistung, weshalb ich mich hier bei allen Autoren des Boylevards – namentlich Sabine, JohnDoe, Frank, wey, Bela C., Tilman, Olivero, Mauzi und Mim – ganz herzlich bedanken möchte. Ihr seid klasse und es macht riesigen Spaß, mit Euch in der Welt der Literatur herumzustreunen!
Nachrichten jenseits allen Frohsinns gab es im Juli 2010. Uns wurde mitgeteilt, dass unser langjähriges Forummitglied Jorgedee nach langer Krankheit verstorben war. Bekannt war er auch im Forum von tcboyle.com. Hier bin ich ihm Ende 2003, kurz nach Gründung von tcboyle.de, das erste Mal virtuell begegnet. Im Laufe der Jahre tauschten wir zahlreiche Bücher und Geschichten. Seine Art und sein Schreibstil waren einzigartig. Wer mal eine Kurzgeschichte oder einen der seltenen Forumeinträge von Jorgedee gelesen hat oder eine E-Mail von ihm bekam, wird es bestätigen können.

Wenige Monate vor seinem Tod schickte er mir seine im Selbstverlag veröffentlichte Autobiographie »Gringo«. Ich las sie, während er im Sterben lag, und fand heraus, dass sein Leben ebenso außergewöhnlich war wie seine Persönlichkeit. Um nur ein Beispiel zu nennen: Wer kann schon von sich behaupten, in den 60er Jahren in New York an einer Beat-Veranstaltung teilgenommen und Allen Ginsberg die Weihnachtskekse seiner Mutter angeboten zu haben? Meine Hoffnung ist, dass seine Lebensgeschichte eines Tages von einem größeren Verlag entdeckt wird.
A propos Verlage. Sie haben es in diesen Tagen wirklich nicht leicht. Der Wechsel der Branche in das digitale Zeitalter ist im vollen Gange.

Zu spüren bekam ich dies vor allem auf der letzten Frankfurter Buchmesse. Seit Jahren bin ich dort zu Gast und war mit meinem Interessen-Mix Internet und Literatur immer ein Exot gewesen, ein vermeintlicher Feind des Buches, mit dem kaum jemand sprechen wollte. Doch im Herbst 2010 war alles anders. Befeuert durch die Aufbruchstimmung im Social Web gab es für Leute wie mich plötzlich eine Fülle von interessanten Veranstaltungen und Verabredungen.

Hinzu kommt, dass es mittlerweile in allen größeren Verlagen einen sogenannten Online-Manager gibt und beinahe täglich ein neues Literaturportal das Licht des World Wide Web entdeckt. Viele Menschen und Gruppen, mit denen man sich wunderbar austauschen kann. Schade, dass es diesen Spielraum nicht schon vor acht Jahren gab, als ich das erste Mal in Sachen tcboyle.de nach Frankfurt reiste. Aber besser spät als nie. In ein paar Wochen geht es erneut zur Buchmesse nach Frankfurt. Wir sind sehr gespannt, wie sich die Welt der Bücher weiterentwickeln wird.
Spät, aber nicht zu spät, haben wir mit unserer Website selber den Sprung in die sozialen Netzwerke gewagt und im Mai 2011 eine Facebookseite für tcboyle.de eingerichtet.
132 Fans hat die Seite schon, jeden Monat kamen neue hinzu. News von und über T.C. Boyle lassen sich darüber schnell und mit relativ geringem Aufwand vermitteln. Link setzen, kommentieren, fertig!

Interessant sind auch die Kontakte, die dort zustande kommen, zum Beispiel zur Santa Barbara Writers Conference, an der Boyle kürzlich teilgenommen hatte. Wer also ein Profil bei Facebook hat und uns noch nicht folgt, sollte dies möglichst schnell nachholen. Es lohnt sich, und natürlich freuen wir uns über jeden neuen »Fan«.
Erzählen möchte ich schließlich noch vom Webmontag, einer Veranstaltung in meiner Heimatstadt Braunschweig. Ich hielt dort im Mai 2011 vor rund 60 Webkreativen und IT-Experten einen Vortrag über tcboyle.de. »Allein unter Nerds«, hätte der Titel dieser Veranstaltung sein können. Denn normalerweise unterhält man sich dort über Dinge wie »Coding Kata in Scala« oder »containerbasierte Virtualisierung«, weniger über Bücher und bedeutende amerikanische Schriftsteller. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb war das Interesse an meiner Präsentation relativ groß. Und Feedback gab es auch.

Mein Vortrag war gegliedert in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von tcboyle.de. Vergangenheit und Gegenwart sind Euch bekannt. Was die Zukunft betrifft, richtet sich unser Blick auf das nächste Jahr, wenn »When the Killings Done« in deutscher Sprache erscheint, Boyle für eine Lesereise nach Deutschland kommt (voraussichtlich im Mai) und es wieder mehr über ihn als über uns zu berichten gibt.

Unsere Website wollen wir bis dahin aufpäppeln, die Seiten an aktuelle Webstandards anpassen. Geplant ist, unserer umfangreichen Website mit inzwischen mehr als 500 HTML-Seiten einen Blog vorzuschalten, viele in die Jahre gekommene Inhalte zu überarbeiten sowie eine Lösung für das spam-geplagte Forum Drop City Ost zu finden. Aufgaben, für die wir etwas Geld benötigen und die mit einem nicht unerheblichen Aufwand an Zeit verbunden sind.

Deshalb hielt ich den Vortrag über tcboyle.de beim Webmontag, wo ein paar IT-Fachleute versprachen, uns beim Umbau beratend zur Seite zu stehen. Und deshalb meine Bitte an Euch, unsere Arbeit mit einem kleinen Spendenbetrag via PayPal zu unterstützen. Oder gerne auch auf andere Weise, wenn Ihr eine Idee habt.

Wir freuen uns aufs nächste Jahr, auf das Wiedersehen mit T.C. Boyle und darauf, die Veröffentlichung seines neuen Romans und seine Lesereise mit vielen interessanten Links und Artikeln begleiten zu dürfen.

PS: Hier übrigens noch eine Boyle-Karikatur, die der zeichnende Kollege Karsten Weyershausen letztes Jahr für einen Blogartikel angefertigt hat. Das Original hängt in meinem Büro und soll die Wartezeit auf die neuen Bücher von T.C. Boyle verkürzen.
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Zitat
Was die Zukunft betrifft, richtet sich unser Blick auf das nächste Jahr, wenn (...) es wieder mehr über T.C. Boyle als über uns zu berichten gibt.
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